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Standpunkt: Bookworm Adventures 2

Bookworm Adventures 2Bitte was? Ein bebrillter Bücherwurm, der aus einzelnen Buchstaben Worte zusammenklickt? Das klingt so verlockend wie Omas Scrabble-Runde am Sonntagnachmittag bei Kaffee und Kuchen. Wenn, ja wenn das Ganze nicht von Popcap käme. Dem Schimpf-und-Schande-Prädikat Casual Games entziehen sich die Popcap-Spiele schon seit längerem erfolgreich, spätestens jedoch seit dem kongenialen Tower-Defense-Klon Plants vs. Zombies. Mit Bookworm Adventures 2 erscheint nun die Fortsetzung zu einem Klassiker der Spieleschmiede.

Das Prinzip ist, wie bei allen Popcap-Titeln, schnell umrissen: aus einem sich stets nachfüllenden Pool von 16 Buchstaben müssen möglichst lange Wörter gebildet werden. Je länger das Wort, desto größer Schaden, der beim Gegner angerichtet wird. Moment mal, Schaden? Richtig. Ähnlich wie der clevere Bejeweled-RPG-Mix Puzzle Quest: Challenge of the Warlords verquickt auch das Bücherwurmabenteuer eine simple Spielidee mit Elementen klassischer Computerspiele. Und das kann erstaunlich viel Spaß machen.

Bücherwurm Lex, gefeierter Held aus dem Vorgänger, stellt eines Tages fest, dass sich aus den Büchern seiner Bibliothek die Helden und Bösewichte verselbständigen. Prompt schultert er sein Scrabble-Säckchen und stellt sich den Horden von Fabel- und populärfiktionalen Wesen entgegen. Zugegeben: die Story ist derart überzeichnet und platt, das man sie von Beginn an nicht ernstnehmen kann. Sie erfüllt aber ihren Zweck, der darin besteht, dass sie Lex die Vorlagen für prägnante One-Liner-Pointen liefert, die er mit dem warm-herzlichen Popcap-Humor dann auch regelmäßig loslässt. Überhaupt ist es, ähnlich wie bei Plants vs Zombies, erst die humorvolle Aufmachung, die den strunzlangweiligen Lex zu einem sympathischen Protagonisten heranwachsen lässt.

Dieses Wort ist wirklich gut, freundlich zieh ich meinen Hut.

Der Storymodus von Bookworm Adventures 2 wirft einem nun nacheinander diverse Gegner vor, die durch Anagrammbildung ihres Lebensvorrates beraubt werden müssen, bevor sie ihrerseits mit ihren Attacken erfolgreich sind. Damit das nicht langweilig wird, besitzen sowohl Lex als auch seine Widersacher verschiedene Fähigkeiten, die entfernt an ein Rollenspiel erinnern. So sammelt der Wurm nicht nur Heiltränke, sondern auch Gebräu, das seine Attacken verstärkt und bösartige Effekte reinigt. Denn die Gegner sind nicht nur Kanonenfutter, sondern beeinflussen sowohl Lex als auch das Buchstabenreservoir. In Letzterem sperren sie einzelne Lettern, sodass diese nicht benutzt werden können oder verändern mutwillig normale Buchstaben in schwer benutzbare wie Q, X oder J.

Spätestens hier sollte es erwähnt werden: Bookworm Adventures 2 liegt bisher nur in der englischen Version vor und eine Lokalisation erscheint eher unwahrscheinlich. Wer jedoch halbwegs sicher durch die englischsprachigen Wirren des Internetzes navigiert, sollte genug Vokabular besitzen, um das Spiel zu meistern. Überhaupt ist es eher von Vorteil, keine allzu umfassenden Englischkenntnisse zu besitzen, denn wer permanent irrwitzige 10- oder 12-Buchstabenkombinationen zusammenkleistert, wird chronisch unterfordert sein. Denn Popcap kennt seine Zielgruppe genau und das sind im Endeffekt dann doch die Casual Gamer. Aber das gereicht dem Spiel in diesem Fall nicht zum Nachteil: Wer sich mit 4- oder 5-Buchstabenwörtern durchs Spiel kämpft, muss seine Tränke und Begleiterfähigkeiten taktisch einsetzen, um bei Bosskämpfen nicht den Kürzeren zu ziehen.

Cehro? Roche? Nee, Ocher! Gesucht werden FarbwörterLeider geht dem Abenteuer nach einmaligem Durchspielen etwas die Luft aus. In einem Arena-Modus kann man in Echtzeit alle Bosskämpfe (ja, auch so etwas gibt es) wiederholen, aber es ist gerade der fehlende Zeitdruck im Storymodus, der das Spiel so angenehm macht. Die obligatorischen Minispielchen sind von durchwachsener Qualität und enttäuschen vor allem aufgrund ihrer Innovationsarmut. Überhaupt wirkt Bookworm Adventures 2 ein bißchen mutlos. Dabei hätte Popcap nach dem Pflanzen-Zombie-Gemetzel die Verschmelzung des Casual- mit dem Normalo-Markt weiter vorantreiben können. So jedoch verliert Lex nach dem etwa 10 - 15 Stunden unterhaltenden Storymodus gehörig an Glanz.

Man verstehe mich falsch: Das Spiel macht durchaus Spaß, aber es ist eben kein weiteres Plants vs. Zombies. Zudem stößt der Steam-Preis mit beinharten 20 Euro stark an die Schmerzgrenze. Wer jedoch seinen Gefallen an den Popcap-Spielen gefunden hat, wird von Bookworm Adventures 2 solide unterhalten. Mehr jedenfalls als von Omas Scrabble-Nachmittagen.

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