Okt/090
Dragon Age Journeys, nettes Appetithäppchen
Electronic Arts hat in Sachen Marketing nicht immer ein glückliches Händchen, das hier ist aber eine echte Perle. Dragon Age Journeys, ein kostenloses Flash-Browser-Spiel, bietet nicht nur eine optionale Vorgeschichte zu Dragon Age: Origins, sondern ist für sich genommen ein richtig unterhaltsames (und vor allem komplexes) Spielchen. Die Entwickler von EA 2D haben tief in der PC-Rollenspiel-Geschichte gegraben, die guten alten Hexfelder ans Tageslicht gezerrt und ein Party-basiertes Rollenspiel darum gebaut. Mehr Eindrücke von diesem lupenreinen Oldschool-Dungeon-Crawler folgen weiter unten.
Der Beginn von Dragon Age Journeys erinnert ein wenig an das erste Baldur's Gate: Der eigene Vater wird von einem übermächtigen Wesen in Sekundenbruchteilen getötet und dem Spieler obliegt es zu fliehen und ihn zu rächen. Die Zwergenstadt Orzammar (Hat da jemand Orgrimmar gesagt? Auf ihn!) dient dabei als Knotenpunkt für Questgeber und Händler und von dort aus bricht man - anfangs allein und später mit seiner Gruppe - in die unterirdischen Höhlen auf, um all das zu tun, was Rollenspielerherzen höherschlagen lässt: Taktikkämpfe bestreiten, Beute von leblosen Gegnern mitgehen lassen und Erfahrungspunkte sammeln. Das Charaktersystem ist dabei sehr stark an den großen, kommerziellen Bruder angelehnt: wer den Dragon Age: Origins Character Creator ausprobiert hat, findet sich schnell zurecht. Das ist auch einer der großen Pluspunkte von Journeys: es handelt sich hier nicht um ein simples Hack'n'Slay-Dauerklick-Spielchen, man muss seinen Charakter schon sorgfältig zusammenbauen, um gegen die später immer härter werdenden Gegnergruppen zu bestehen. Sobald man drei Charaktere steuern kann, kommt im Kampf schnell die gewohnte D&D-Atmosphäre auf: von hinten ballern die Glaskanonen-Magier ihre thaumaturgische Energie auf die Gegner und heilen bei Bedarf die Frontschwein-Recken, die vorne stehen und mit kaltem Stahl Löcher in die Monster bohren. Taktische Kniffe wie das Flankier-System und Sichtlinien sorgen für helle Begeisterung: Für ein browserbasiertes Spiel wird einem hier mehr geboten, als man anfangs vermutet hätte.
Die Verquickung mit dem eigentlichen Hauptspiel wird - abgesehen vom gleichen Szenario und Charaktersystem - schnell deutlich: bis zu drei Gegenstände für Origins lassen sich freispielen. Mal durch Lösen einer Quest, mal durch das Ausfüllen von drei Umfrage-Formularen, in denen man seine Meinung über Journeys kundtun kann. Die so freischaltbaren Items sind sicherlich keine absoluten Über-Gegenstände, aber doch eine nette zusätzliche Motivation. Bei den Umfragen wird auch schnell klar, dass Electronic Arts nicht ausschließlich altruistische Motive für die Werbeaktion besitzt: Das als Trilogie geplante Flash-Spiel wird sich in Teil 2 und 3 vermutlich durch Mikro-Transaktionen finanzieren. Dazu kann man stehen wie man will, aber das ändert nichts daran, dass Teil 1 komplett kostenlos und verdammt gut gelungen ist.


