Die einen sehen im Blut-DLC „Blood & Burning“ für Total War: Attila die reine Abzocke. Für mich ist es hingegen eine der cleversten Entwicklerentscheidungen, die es im Bereich der DLCs zu vermelden gibt.

Ende der 1990er Jahre war es üblich, erfolgreiche Spiele mit einem Add-on zu verlängern. Soetwas gibt es heutzutage noch immer, allerdings setzen die Hersteller mehr und mehr auf DLCs. Aus zwei einfachen Gründen. DLCs sind weit weniger komplex in ihrer Entwicklung als Add-ons und sorgen gleichzeitig für recht hohe Erlöse. Deshalb verdienen die Entwickler sehr gut an den digitalen Häppchen und planen sie bereits oft schon während der Entwicklung des Hauptspiels fest mit ein. Dass dies unverschämte Ausmaße annehmen kann, zeigten zuletzt Turtle Rock Studios und 2K mit Evolve.

Es gibt aber auch positive Beispiele, etwa im Falle von Mortal Kombat X. Spieler laden zuerst ein kleines Basisspiel bei Steam herunter und können sofort ins Spielgeschehen abtauchen. Die noch fehlenden Inhalte sind auf zwei Dutzend DLCs verteilt und werden parallel nachgeladen. Streaming-Installation nennt sich das. Ganz reibungslos läuft das zwar noch nicht. Mit Blick auf Spiele wie GTA 5, die mal eben 65 GByte Plattenspeicher fressen, ist es aber eine sinnvolle Variante, die weiterverfolgt werden sollte.

Das Modell „Total War“

Besonders gelungen ist auch der Ansatz, den Creative Assembly und Sega bei Total War: Attila fahren. Gewaltexzesse und Blutfontänen im Basisspiel wurden stark reduziert und einfach in einen DLC ausgelagert. Wer auf Splattereffekte oder gar kotzende Soldaten nicht verzichten möchte, legt stattdessen 2,49 Euro auf die virtuelle Ladentheke und pumpt das Basisspiel entsprechend auf. Was für die einen wie Abzocke erscheint, ist für mich ein äußerst cleverer Schachzug, den sich andere Publisher und Entwickler gerne abgucken sollten.

Sega begründete diese Entscheidung nämlich offiziell damit, dass Total War: Attila auf diese Art eine möglichst niedrige Altersfreigabe erhalten und das Spiel damit einem deutlich größeren Publikum angeboten werden konnte. Ab zwölf Jahren darf Total War gespielt werden. Mit all den Bluteffekten im Basisspiel hätte die USK wohl ein Alter von 16 oder gar 18 Jahren vorgeschrieben.

Dank des Splatter-DLCs können sich erwachsene Spieler nun nachladen, was ihnen im Spiel eventuell an Blut und Gewalt fehlen sollte. Eltern können wiederum guten Gewissens zu einem Spiel in gewaltgeminderter Form greifen und auch ihren Kindern erlauben, es zu spielen. Alle Seiten gewinnen also. Würden Entwickler von vornherein so planen und vorgehen, hätten sie auch deutlich weniger Probleme mit der Zulassung bestimmter Titel im durchaus wichtigen deutschen, australischen oder japanischen Spielemarkt.

Übrigens wäre ein Blut-DLC auch für Mortal Kombat X eine sinnvolle Möglichkeit gewesen, die teilweise extreme Gewaltdarstellung zu mindern und sich Scherereien mit dem hiesigen Jugendschutz zu ersparen.