Vor über einem halben Jahr hat Valve das Discovery-Update für Steam eingespielt und zieht jetzt erstmals Bilanz. Das Update sorgt für mehr Produktseitenaufrufen, schiebt die Verkaufszahlen kleinerer Titel an und füllt die Wunschlisten der Steam-User.

Im September 2014, also bereits vor über einem halben Jahr, hat Valve das Discovery-Update veröffentlicht. Der Steam-Client wurde damit nicht nur in ein omnipräsentes Blau getaucht. Es kamen auch neue Funktionen wie die Entdeckungslisten und die Kuratoren hinzu. Valves erklärte Absicht hinter diesen neuen Funktionen war es, den Steam-Usern mehr von der Vielfalt des Spieleangebotes präsentieren zu können. Dieser Plan scheint aufzugehen, wie eine erste von Valve veröffentliche Analyse zeigt.

Bevor Valve das Discovery-Update einspielte, wurden Produkte den Anwendern nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen gezeigt, etwa indem sie automatisch in den Bestseller- oder Neuveröffentlichungslisten auftauchten, händisch von Valve-Administratoren gefeatured oder direkt in den Suchergebnissen eingeblendet wurden. Das führte dazu, dass nur ein sehr kleiner Teil des mehrere Tausend Titel fassenden Angebotes den Steam-Usern überhaupt gezeigt wurde.

Mit dem Discovery-Update berücksichtigt Steam jetzt hingegen die persönlichen Vorlieben der User. Wichtige Faktoren sind etwa, welche Spiele ein Steam-User bereits gekauft hat, welche er als interessant markiert oder auf seine Wunschliste gesetzt hat und sogar welche Spiele sich eventuell in der Steam-Bibliothek seiner Freunde befinden. Aus diesen Informationen stellt Steam individuelle Empfehlungslisten zusammen.

Vor dem Discovery-Update waren täglich nur 20 Produkte zu sehen. Jetzt sind es über 4000.
Vor dem Discovery-Update waren täglich nur 20 Produkte zu sehen. Jetzt sind es über 4000.

Mehr Produktseitenaufrufe dank Entdeckungslisten

Konkretisieren und mit Zahlen gut belegen lässt sich die Personalisierung anhand der Main Capsule. So wird das auf der Startseite des Steam-Stores zu sehende große Karussell bezeichnet. Vor Discovery kommunizierte Steam dort insgesamt lediglich bis zu 20 Spiele pro Tag an sämtliche Steam-User. Weil Steam jetzt aber die persönlichen Vorlieben der Steam-User kennt und für jeden eine individuelle Main-Capsule-Liste erstellt, werden mittlerweile bis zu 4000 Titel täglich in der Main Capsule angezeigt und auch angeklickt.

Die Klickrate der Main Capsule stieg nach dem Update von 21 auf 25 Prozent an. Das mag nach wenig klingen, man muss hier aber die User-Basis von 125 Millionen in die Waagschale werfen.

Ende September kam das Discovery-Update. Seitdem verzeichnet Valve deutlich gestiegene Produktseitenaufrufe.
Ende September kam das Discovery-Update. Seitdem verzeichnet Valve deutlich gestiegene Produktseitenaufrufe.

Die von der Community teils positiv, teils negativ aufgenommene Entdeckungsliste hat auch allgemein signifikante Auswirkungen auf die Klicks im Store. Insgesamt habe das Discovery-Update zu einem dauerhaften Anstieg von 30 Prozent bei den Produktseitenaufrufen geführt. Die Entdeckungslisten allein tragen mit 75 Prozent zu den gestiegenen Seitenaufrufen bei. Mittlerweile stammen sogar 16 Prozent sämtlicher Produktseitenaufrufe bei Steam von Usern, die sich durch ihre persönliche Entdeckungsliste klicken.

Das Discovery-Update wirkt sich ebenso auf die Steam Tags aus, mit denen Spiele durch die Community anhand ihrer Merkmale verschlagwortet werden. Nach dem Update verdreifachte sich die Durckklickrate für Schlagworte. Die Steam Tags sorgen damit für nahezu 7 Prozent aller Produktseitenaufrufe.

Auswirkungen der Steam Kuratoren schwierig zu messen

Kaum messen lässt sich hingegen, wie sich die neu eingeführten Steam Kuratoren auswirken. Kuratoren empfehlen einzelne Spiele aus dem Steam-Angebot. Steam-User können bestimmten Kuratoren folgen und sehen damit deren Empfehlungen auf ihrer Startseite. 6000 Kuratoren gibt es, denen mindestens zehn Steam-User folgen und insgeamt 1,3 Millionen Steam-User folgen wiederum mindestens einem Kurator.

Die Information, welcher Steam-User wann welches Spiel aufgrund einer Kuratorenempfehlung gekauft hat, erschließt sich für Valve aus den Daten allerdings nicht. Immerhin kann Valve die Aussage treffen, dass 3,1 Millionen eindeutige Steam-User eine Produktseite nur aufgrund einer Empfehlung eines Kurators aufgerufen haben. Die Statistik zeigt, dass die Zahl der Spiele, die von Steam-Usern zur Wunschliste hinzugefügt werden, mit Discovery erst sprunghaft anstieg und hat sich nunmehr auf einem mittleren Niveau einpendelt hat.

Seit dem Discovery-Update landen täglich auch mehr Spiele auf der Wunschliste.
Seit dem Discovery-Update landen täglich auch mehr Spiele auf der Wunschliste.

Deutliches Umsatzwachstum bei den kleineren Titeln

Selbstverständlich hat Valve nicht nur die Klickraten sondern auch die Verkaufszahlen im Auge behalten. Der Kuchen selbst sollte wachsen und sich nicht nur die Größe der einzelnen Kuchenteile verschieben, so Valve in der Analyse. Das Wachstum von Steam ist demnach nicht allein den großen Spielehits zuzuschreiben. Die vielen kleineren Titel tragen ebenso ihren Teil dazu bei.

Sie erreichen dank des Discovery-Update jetzt ihre spezifische Zielgruppe unter den Steam-Usern häufiger. Die Titel außerhalb der Top 500 verzeichnen deshalb insgesamt um 18 Prozent gestiegene Einnahmen. Pro App sind die täglichen Einnahmen um ordentliche 6 Prozent gewachsen. Und das obwohl seit dem Update über 400 weitere Titel zum Steam-Katalog hinzugefügt wurden.

  • Malfrador

    Der Anstieg kommt sicher auch von Weihnachten ;)