Für Valves Mitarbeiter ist Zeit die Währung

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Für einige ist die bei Valve gepflegte Unternehmenskultur chaotisch, verhindere deshalb Innovationen und fördere eine gefährliche Cliquenbildung. Gabe Newell erklärt, warum das aber nicht der Fall ist.

Eine der interessanten Besonderheiten von Valve ist die Art und Weise, wie das Unternehmen strukturiert ist. Anstelle einer hierarchischen Ordnung, mit Chefs, Abteilungen, Abteilungsleitern und anderen Stufen von Vorgesetzten, ist Valve vollständig flach organisiert. Gemeint ist damit, dass es keine Chefs gibt und alle Mitarbeiter auf derselben Stufe der Hackordnung stehen. Selbst Gabe Newell gibt immer wieder an, nur ein Mitarbeiter von Valve und deshalb von niemandem der Chef zu sein.

Diese Unternehmenspolitik führt dazu, dass jeder Mitarbeiter bei Valve an dem Projekt arbeitet, an dem er gerne arbeiten möchte und von dem er der Meinung ist, dass es seine Arbeitskraft benötigen würde. Das ist im Mitarbeiterhandbuch von Valve so festgeschrieben. Deswegen haben die Schreibtische bei Valve auch allesamt Rollen, damit die Mitarbeiter sie schnell in andere Räume zu anderen Kollegen verschieben können.

Es gibt aber Kritiker, die in eben dieser Art der Unternehmensführung eine Gefahr für Valve sehen. Eine Gefahr durch Cliquenbildung, damit ungewollte Machtstrukturen und schussendlich Hemmnisse für Innovationen.

An einem Valve-Fan hat diese Sorge so sehr genagt, dass er sich direkt an Gabe Newell per E-Mail gewandt und nachgehakt hat, wie sich denn die flache Hierarchie bei Valve konkret auswirke. Und ja, er hat von Gabe Newell eine Antwort erhalten. Eine recht ausführliche sogar, die einige interessante Aussagen enthält.

„Ich mag Dich vielleicht, aber wenn Du mir nicht hilfst und anpackst, dann werde ich Dich weniger schätzen, als jemanden der es tut.“
— Gabe Newell über die Auswirkungen der flachen Hierarchie

Das Geheimnis von Valve: Alle Mitarbeiter müssen darüber nachdenken, wie sie den größtmöglichen Nutzen für die Kunden schaffen können. Damit sie dabei ehrlich sind, wird Zeit zur allgemeingültgen Währung, die wie auf einem Markt gehandelt wird. Die Mitarbeiter investieren ihre Zeit in die Projekte und Ideen, in denen sie das größte Potenzial für die Kunden erkennen. Gleichzeitig investieren sie dadurch ihre Zeit auch in ihre Kollegen und zeigen damit gegenseitige Wertschätzung.

Eine weitere spannende Erkenntnis aus Newells Antwort ist, dass Valve komplett auf eine Finanzplanung verzichtet. Weder werden zu Jahresbeginn Budgets für bestimmte Aktivitäten oder Abteilungen festgelegt, noch führt das Unternehmen Finanzanalysen durch, um etwa zu entscheiden, in welche Segmente man investieren oder expandieren soll.