Mit Windows 10 macht Microsoft alles richtig und liefert Spielern mit DirectX 12 und dem Game DVR der Xbox sehr gute Neuerungen. SteamOS wird sich gegen diese Übermacht wohl kaum behaupten können.

Gestern Abend hat Microsoft eine Technikbombe platzen lassen. Das sonst eher biedere Unternehmen hat damit die letzten – zugegebenermaßen langweiligen – Apple-Events in den Schatten gestellt. Kostenloses Upgrade auf Windows 10, DirectX 12, Cortana für PC und Tablet, Xbox unter Windows, das Surface Hub und last but not least, als heißestes Gimmick von allen, die Hololens. Für Spieler ein vielversprechender Weg. Doch was bedeuten diese Neuerungen für Steam-User, SteamOS und die Steam Machines?

1. Steam braucht Windows 10

Gabe Newell ist bekanntermaßen kein Fan von Microsoft und hat sich oft genug über das Unternehmen aus Redmond eher schlecht als recht geäußert. Newell stört sich unter anderem daran, dass die von Microsoft angebotenen Lösungen proprietär sind. Damit hat er auch recht. Bei Steam ist es aber nicht anders. Auch hier hat ein Unternehmen die Hand über eine Lösung, die auf dem PC nahezu eine Monopolstellung erreicht hat.

Viel wichtiger aber ist: Steam und Valve hängen komplett am Tropf von Microsoft und umgekehrt. Das Spielebetriebssystem für den PC schlechthin ist derzeit einfach Windows. Auf 95,3 Prozent der Rechner der Steam-User läuft Windows. Der Erfolg von Windows wirkt sich direkt auf den Erfolg von Steam und Valve aus. Sollte Windows irgendwann verdrängt werden, dann geht es mit Steam ebenfalls bergab. Umgekehrt treibt Steam aber auch den PC-Verkauf an und sorgt für eine Stabilisierung bei Windows.

2. Windows 10 bietet mehr Spiele

Ganz ehrlich, die Idee eines kostenlosen und quelloffenen Betriebssystems für Spiele-PCs in Form von SteamOS ist gut und richtig. Valve hat wie kein anderes Unternehmen der Branche darüber hinaus alle Möglichkeiten und zudem die Marktdurchdringung, ein solches Betriebssystem auch zu etablieren. Es gibt aber ein Problem: Linux ist für Spieler noch eher uninteressant.

Ganz knapp über 900 der bei Steam erhältlichen Spiele laufen unter Linux. Das entspricht aber nur etwa einem Fünftel der insgesamt verfügbaren Spiele. Zudem fehlen viele der Triple-A-Titel, weil Windows weiterhin im Fokus der Spieleentwickler steht. Wer etwa GTA 5 auf dem PC spielen will, der braucht Windows. Wenn die Spieleentwickler nicht aktiv umschwenken oder ihren Blick auf Linux erweitern, hat SteamOS auf lange Sicht keine Chance, weil das Futter für die hungrigen Gamer fehlt.

3. DirectX 12 ist superschnell

Angetrieben durch AMDs eigene Grafikbibliothek Mantle hat sich Microsoft mächtig ins Zeug gelegt und an DirectX gefeilt. Der von der Industrie angemahnte Overhead, der viel Leistung der Hardware verpuffen ließ, wurde auf ein Minimum reduziert. Derzeit gibt es zwar noch keine harten, belegbaren Fakten. Die ersten Demos deuten aber an, dass DirectX 12 seine Vorgängerversionen bei der Leistung um Längen schlägt und mindestens gleichauf mit Mantle liegt.

Die Entwicklung der Treiber für Grafikkarten von Nvidia und AMD hinkt unter Linux deutlich hinterher, selbst wenn sich hier in letzter Zeit viel getan hat. Obendrein krankt Linux an der eigenen Offenheit. Es gibt verschiedenste Ansätze zur Grafikberechnung unter Linux. Noch ist keine davon optimal. Valve gibt sich derzeit finanziell Mühe, diese Entwicklung voranzutreiben. Es bleibt abzuwarten, was dabei am Ende herauskommt.

4. Windows 10 ist plattformunabhängig

Steam auf einem HP Stream 7 Tablet ... läuft, aber leidlich
Steam auf einem HP Stream 7 Tablet … läuft, aber leidlich

Microsoft hat geschafft, was Unternehmen wie Apple noch planen: Windows 10 ist plattformunabhängig. Es läuft sowohl auf PCs, auf Tablets als auch auf Smartphones und der Xbox. Was das bedeutet? Ein Spiel, das auf dem PC läuft, kann prinzipiell auch auf dem Tablet oder dem Smartphone gezockt werden. Das riecht nach grenzenloser Freiheit.

Und es geht noch weiter. Bereits jetzt kann man auf Tablets mit echtem Windows 8.1 und einem x86-Prozessor Steam installieren, Spiele starten und das In-home-Streaming nutzen. Der leistungsstarke PC im Schlaf- oder Arbeitszimmer rendert dann das Spiel und mit dem Windows-Tablet liegt man auf der Couch und zockt. Voraussetzung ist, dass das Tablet genügend Leistung zur Dekodierung des Video-Streams hat.

5. Windows 10 übernimmt den Game DVR

Steam ist mittlerweile mit erstklassigen Streaming-Funktionen ausgestattet. Einerseits, um im lokalen Netzwerk Spiele etwa auf den Fernseher zu bringen, und andererseits, um eigene Sessions an Zuschauer ins Steam-Netzwerk zu schicken. Was Steam noch fehlt ist eine integrierte Capture-Funktion. Wer soetwas sucht, muss derzeit noch Fraps oder Playclaw hernehmen.

Windows 10 integriert den von der Xbox One bekannten Game DVR. [Windows + G] gedrückt, lässt sich der Game DVR aus jedem Spiel heraus starten und Spielesessions aufnehmen, bearbeiten und teilen. Das gilt auch für Spiele, die per Steam starten, wie Phil Spencer am Beispiel von Civilization: Beyond Earth live zeigte. Es dürfte aber ein leichtes für Valve sein, eine dem Game DVR ähnliche Funktion auch in Steam zu integrieren. Die technischen Voraussetzungen sind mit Steam Broadcasting und In-home-Streaming vorhanden.

6. SteamOS steht unter Druck

Viele Hersteller sind dem Ruf von Valve gefolgt und haben Steam Machines entwickelt. Die Verzögerung beim Steam Controller zwang einige, die geleistete Entwicklungsarbeit anderweitig zu kompensieren. So hat Alienware kurzerhand seine Steam Machine mit Windows 8 und dem Xbox-Controller ausgeliefert. Eine naheliegende Entscheidung.

In der Zwischenzeit hat Microsoft mächtig aufgeholt und sich sehr stark gegen SteamOS positioniert. Windows 10 wird dank DirectX 12 mindestens genauso viel Leistung aus der Hardware herauskitzeln können wie SteamOS. Dieses ursprüngliche Argument pro SteamOS – die maximale Nutzbarmachung der Leistung – entfällt damit. Für DirectX 12 spricht zudem, dass sich die Entwickler nicht an ein neues Grafik-Framework gewöhnen müssen. Die Unreal Engine 4 und Unity unterstützen DirectX 12 schon jetzt, andere werden folgen.

Der Steam Controller wird sowohl unter Windows als auch Linux funktionieren und ist damit nicht exklusiv dem Linux-Derivat SteamOS oder den Steam Machines vorbehalten.

Die Auswahl an unter Linux lauffähigen Spielen ist gestiegen, hinkt aber noch immer deutlich hinter der von Windows her. Windows 10 läuft zudem auf verschiedensten Geräten. Somit lassen sich die unter Windows lauffähigen Steam-Spiele auf dem PC, dem Tablet und sogar dem Smartphone daddeln. SteamOS wird vorerst nur auf normalen PCs laufen, die Kompatibilität zu Tablets oder Smartphones ist noch nicht vollends gegeben.

Ja, SteamOS ist eine Alternative zu Windows. Der anfängliche Glanz ist aber mittlerweile sehr stark abgestumpft. Wenig bis gar nichts spricht mehr dafür, eine Steam Machine mit SteamOS zu betreiben. Sinnvoller und besser erscheint derzeit Windows 10. Wer Windows 7 oder eine neuere Windows-Version besitzt, bekommt Windows 10 innerhalb des ersten Jahres nach Release auch noch kostenlos.

  • mhenriquecd

    You are mistaken

    SteamOS is being made for TV, it will compete with consoles, and both the ps4 as Xbone has few games

    forget Windows vs SteamOS

    Will be: Steam Machines vs PS4 vs XBone

  • mhenriquecd

    Unreal Engine 4, Unity3d, Cry engine and other engines already have support SteamOS

    you are out of date

    • You’ve got it wrong. Unreal Engine 4 and Unity already support DirectX 12, not meaning, they and other engines doesn’t support SteamOS.

  • Dimi

    Stimme dem Artikel größtenteils zu.
    Es ist vollkommen richtig, dass die meisten Benutzer auf Steam noch ein Microsoft Betriebssystem nutzen. Ich wage mal zu behaupten, dass sich dies nicht groß ändern wird. Sicherlich werden sich die Zahlen etwas verschieben. Gerade durch SteamOS werden wohl immer mehr Spiele mit Linux support erscheinen allerdings ist Microsoft im Privatanwenderbereich immer noch die Nr. 1.
    Es ist auch kein Geheimnis, dass Gabe nicht unbedingt der größte Fan von Microsoft ist. Wie hier beschrieben hat er in der Vergangenheit oft Microsoft kritisiert. Während seine Kritik bezüglich Windows 8 und 8.1 meiner Meinung richtig ist kann man dennoch behaupten, dass Microsoft oft versucht hat die Gamer zumindest zufrieden zu stellen.
    Mit DirectX 12 kommt die nächste Iterationsstufe der Grafik API. Hier kommt es wohl eher auf den Support der Engineentwickler an wie Unreal Engine etc. Dennoch hat die Entwicklung der vergangenen Jahre gezeigt, dass die Bereitschaft prinzipiell da ist. Lediglich die 10er Version wurde etwas stiefmütterlicher behandelt, da die Entwicklung unter DirectX 9 mit etwas mehr Aufwand das gleiche oder zumindest ähnliche Ergebnisse lieferte.
    Durch die Platformunabhängigkeit wird es nun hoffentlich auch Apps für das Tablet wie für das Windows Phone geben. Die steigende Zahl der Windows Phone benutzer äußert sich eher enttäuscht darüber dass es keine offizielle App für das Phone gibt. Ich habe die SteamCenter app entwickelt, eine inoffizielle Windows Phone app die einige Features abdeckt (all das was die Steam API erlaubt). An den Downloadzahlen sehe ich das ein Markt da ist. Bisher das WP zu ignorieren ist meiner Meinung falsch gewesen. Die Entwicklung einer App für Windows Phone wäre keine große Sache gewesen. Ein Unternehmen wie Valve hätte das schneller und kostengünstiger als die Android oder iOS Version machen können.
    Inwieweit Valve mit SteamOS unter Druck steht wird sich zeigen. Freue mich riesig auf die SteamMachines. Denke aber auch durch Windows 10 ist das nun eher hinfällig. Eine SteamMachine ist ja nichts anderes als ein Mini-PC für das Wohnzimmer. DAs würde man bestimmt auch mit Windows 10 hinbekommen. Die Tatsache, dass ein Upgrade zu Windows 10 im ersten Jahr kostenlos ist (zumindest wenn man Windows 8 oder 7 hat) macht es für mich zur absoluten Sensation.
    Ich bin ein Steam Fan! Ich bin ein Softwareentwickler für die Microsoft Platformen. Microsoft hat nach langer Zeit seinen ersten richtigen Schritt in Richtung Gamer gemacht. Valve sollte die ausgestreckte Hand erwidern. Ziel sollte sein, dass der Gamer profitiert. Schließlich sind wir die Kunden ;)

  • Bin ein riesen Fan der Plattform Steam und auch dem Entwickler Valve. Steam ist einfach nicht nur was die Anzahl der Spiele angeht am reichhaltigsten, sondern bietet auch unmengen cooler Features die ich nicht missen möchte. Wie unter anderem die erst kürzlich hinzufügte FPS Anzeige.. :)
    Aber, SteamOS? Ganz ehrlich, so klasse die Idee ist, aber es kann einfach nicht klappen.. mögen noch soviele Indie Studios mit ziehen und Valve Titel wie evtl. nen Half Life 3 für veröffentlicht werden, gegen Microsoft’s Windows hat es keine Chance. Selbst wenn ein HL 3 komplett auf Windows verzichten und Steam OS unter Steam Nutzern relativ populär werden lassen würde, bezweifel ich das richtig fette Studios mit ziehen würden. Aber wer weiß, wer weiß..

    Hatte auch schon Mal überlegt Linux bzw. Steam OS auszuprobieren, aber wenn man sich dann die Steam Bibliothek anschaut und sieht wieviele der gekauften Titel nicht mehr spielbar wären.. klar ne Xbox One hätte ich auch noch, aber dennoch.

    Den Controller werde ich mir aber denke Mal anschauen. :)