In ein paar Monaten sind die offiziellen Steam Machines verfügbar – wer bis dahin aber nicht warten will, kann sich seine Steam Machine selbst bauen. Worauf Ihr dabei achten müsst.

Ende 2015 kommen mit über einem Jahr Verspätung endlich die Steam Machines auf den Markt. Diese Konsolen-PCs sind rein zum Spielen gedacht, werden mit dem von Valve entwickelten SteamOS ausgeliefert und sollen das PC-Gaming ins Wohnzimmer holen. Damit das überhaupt möglich ist, hat Valve als Ersatz für Maus und Tastatur sogar einen eigenen Controller entwickelt, den Steam Controller.

Viele Hardware-Hersteller sind dem Ruf Valves gefolgt und haben eigene Steam Machines entwickelt und konfektioniert. Alienware, Alternate, Asus, Gigabyte und Zotac sind nur einige der Dritthersteller. Aber: Es muss keine Steam Machine von der Stange sein. Jeder Hersteller darf eigene Steam Machines entwickeln und anbieten. Und jeder Gamer kann sich aus seinen Lieblingskomponenten die ideale Steam Machine selbst bauen. Dabei gibt es allerdings ein paar Eckpunkte zu beachten, damit das auch tatsächlich klappt. Schließlich ist Linux und damit auch SteamOS nicht selten zickig.

Steam Machine selbst bauen – zum Spielen oder zum Streamen?

Wer sich selbst eine Steam Machine zusammenstellt, muss sich zu aller erst darüber klar werden, wofür die Steam Machine genutzt werden soll. Zwei grundlegende Szenarien sind dabei möglich. Erste Variante: Die Steam Machine wird ein vollwertiger Spiele-PC der im Wohnzimmer steht, auf dem die Spiele installiert werden und auf dem die Spiele auch ausgeführt werden. Das wäre der klassische Einsatzzweck. Das setzt aber voraus, dass die Steam Machine mit ausreichend Leistung für die gewünschten Spiele ausgestattet wird.

Die zweite Variante: Die Steam Machine wird kein vollwertiger Spiele-PC. Stattdessen streamt sie lediglich die Spiele, die von einem anderen PC im Heimnetzwerk ausgeführt und gerendert werden. Sie wird also eine Stream Machine. In solchen Fällen darf die Leistung der Steam Machine ruhig recht gering ausfallen und muss nur genügen, um den Stream darzustellen.

Für eine Stream Machine reichen in der Regel betagte respektive in den Ruhestand geschickte Komponenten vollkommen aus. Ein Dual-Core-Prozessor, zwei Gigabyte Arbeitsspeicher und eine kleine SSD – das war’s. Idealerweise hat die Kiste einen HDMI-Ausgang, der von einer Grafikkarte stammt oder von einer neueren CPU befeuert wird. Wichtig ist, dass MPEG-Daten hardwareseitig dekodiert können, damit die CPU nicht zu sehr belastet wird. Anschließend wird SteamOS installiert – wahlweise auch jedes anderes Linux oder Windows -, ein Controller angeschlossen und Steam In-Home Streaming konfiguriert.

Steam Link

Wer keinen älteren Teile oder einen kompletten Rechner übrig hat, sollte stattdessen einfach den Steam Link kaufen. Steam Link ist eine Stream Machine, wird von Valve hergestellt sowie verkauft und kostet lediglich 54,99 Euro. In fast allen Fällen sollte der Steam Link die günstigere und bessere Variante zum Neuaufbau sein.

Steam Machine selbst bauen – Das ist wichtig

Kommen wir zur echten Steam Machine. Grundsätzlich benötigt ihr einen PC, der bereits mit dem neuen UEFI anstelle eines BIOS ausgestattet ist. Erst in den letzten Jahren hat sich UEFI im PC-Bereich vollends durchgesetzt und ist auf allen neueren Plattform zu finden. Falls Ihr also nicht ohnehin die Anschaffung neuer Hardware für die Steam Machine plant, sollte die verwendete Hardware nicht zu alt sein. Denn ohne UEFI sind die Installation und der Start von SteamOS nicht möglich. Zu den Alternativen später mehr.

Die Leistung des Prozessors richtet sich ganz nach den Spielen, die Ihr konsumieren wollt. Je anspruchsvoller die Spielewünsche, desto kräftiger muss natürlich die CPU sein. Sie darf sowohl von AMD als auch von Intel stammen, muss aber auf jeden Fall eine 64-Bit-CPU sein. Der CPU stellt Ihr mindestens 4 GByte Arbeitsspeicher zur Seite, besser 8 GByte.

Grundsätzlich könnte – je nach Spielen – auch eine in die CPU integrierte Grafikkarte ausreichen. Sollte aber auch nur etwas anspruchsvollere Kost auf dem Plan stehen, kommt Ihr um eine dedizierte Variante nicht herum. Dem aktuellen Entwicklungsstand der Grafiktreiber nach greift Ihr dann zu einer Karte von Nvidia und lasst AMD erstmal außen vor. Weil SteamOS in der aktuellen Beta-Fassung obendrein den Nvidia-Treiber in Version 352.30 implementiert, muss es mindestens eine Grafikkarte der 400er-Serie sein.

Für eine Steam Machine sollte es derzeit eine Nvidia-Grafikkarte sein, aber nicht älter als die 400er-Serie
Für eine Steam Machine sollte es derzeit eine Nvidia-Grafikkarte sein, aber nicht älter als die 400er-Serie

Prinzipiell könnt Ihr SteamOS mitsamt der Spiele zwar auch auf einer 60 GByte fassenden SSD installieren. Das reicht für das Betriebssystem und ein paar Spiele aus. Aber spätestens wenn Brocken wie Grand Theft Auto 5 auf der Steam Machine landen sollen, muss mehr Massenspeicher her. Eine SSD mit mindestens 250 GByte ist daher ratsam, oder eine Hybrid-Festplatte (SSHD) ab 500 GByte Speicherplatz.

Bei den Eingabegeräten habt Ihr freie Wahl. Galt der Xbox-360-Controller bislang als Maß der Dinge, steht natürlich auch der Steam Controller zur Auswahl. Maus und Tastatur lassen sich aber genauso anschließen wie verschiedene andere Eingabegeräte aus dem PC-Umfeld. Schließlich handelt es sich um einen Konsolen-PC auf Basis von Linux. Im Zweifelsfall müssen aber händisch entsprechende Treiber installiert werden.

Steam Machine selbst bauen – SteamOS und die Alternativen

Denkt man an eine Steam Machine, ist es naheliegend, auch SteamOS darauf zu installieren. Das bekommt Ihr direkt und kostenlos bei Valve zum Download. Selbst wenn sie fehlerträchtiger und etwas aufwändiger ist: Entscheidet Euch für die Custom Installation. Sie bietet Euch mehr Freiheiten bei der Zusammenstellung Eurer Steam Machine.

Eine Alternative zu SteamOS ist VaporOS. Es basiert auf SteamOS, erweitert die Grundinstallation aber um einige hilfreiche Programme, Skripte und Voreinstellungen. So ist VaporOS auf den Einsatz mit SSDs optimiert und der Mediaplayer Kodi (XMBC) bereits integriert. Die Steam Machine kann mit letzterem also abseits der bei Steam verfügbaren Filme auch alle anderen Medieninhalte wiedergeben.

XBMC ist jetzt auch im SteamOS-Ableger VaporOS eingebunden

Habt Ihr nur sehr alte Hardware zur Auswahl – etwa ein Mainboard ausschließlich mit BIOS -, dann ist Stephenson’s Rocket Eure Rettung. Auch Stephenson’s Rocket basiert auf SteamOS, entfernt aus dem Spielebetriebssystem aber die Beschränkung auf UEFI-PCs.

Last but not least: Windows. Selbstredend muss auf der Steam Machine nicht Linux installiert werden. Auch Windows passt perfekt und ist in Version 10 auch eine mehr als adäquate Option. Nach der Installation von Windows müsste Ihr noch Steam installieren, es Autostart ausführen und direkt in den Big Picture Modus starten lassen. Ein Unterschied zu SteamOS ist dann kaum zu sehen.