Early Access wird oft nur als Alibi missbraucht, für einfallslose und ständig kopierte Einheitsware, für die Spieler hartes Geld zahlen, in der Hoffnung, endlich ein paar neue Impulse zu erhalten. Eine Meinung.

Ich bin ein Fan der Themen Survival, Apocalypse und Armageddon. Spätestens seit der Fernsehserie „The Walking Dead“ bin ich damit auch nicht alleine. Es hat sich eine riesige Fangemeinde gebildet, die Zombie-Walks abhält, nur um die Wiedergänger zu huldigen. Auch die Gaming-Industrie hat sich mit Titeln wie Resident Evil oder Left 4 Dead in der Vergangenheit sehr erfolgreich dem Thema gewidmet.

Neuerdings wird allerdings versucht, ein eigenständiges Genre zu erfinden, Survival, was in meinen Augen bisher aber kläglich gescheitert ist. Mal werden die Spieler von Zombies gejagt, siehe DayZ, H1Z1, 7 Days to Die, mal von Dinosauriern, etwa in ARK: Survival Evolved, und manchmal wird auf Gegner komplett verzichtet und der Spieler stattdessen einfach sich und der Ödnis überlassen, etwa in Stranded Deep und Salt.

Alle diese Titel waren bereits im Steam Early Access spielbar und sind zum großen Teil noch immer in diesem Status. Zeit, ein Resumee zu ziehen und zu eroieren, wieso der große Erfolg ausbleibt.

Fehlende Möglichkeiten

Eine kaputte Welt, in der nichts mehr ist, wie es einmal war. Kein Job, kein Geld, keine Familie … nur ich und eine nicht selten witzlos lahmarschige Waffe. Da hätte man als Spieler eigentlich alle Optionen. Will ich der Böse sein, der marodierend umherstreift und sich das Essen anderer Spieler aneignet, oder der Gute, der versucht, die Menschlichkeit in dieser Dystopie so gut es geht zu bewahren? Will ich auf große Entdeckungstour gehen, oder mich lieber verschanzen und einen kleinen Flecken Erde so gut es geht verteidigen?

All diese Optionen versprechen zwar einige der Titel, aber halten tut es keins. Meist scheitert es schon daran, dass es nur eine Handvoll Rezepte gibt, vielleicht auch ein paar mehr. Die Auswahl ist aber fast immer so gering, dass sogar Rollenspieler mehr Optionen in den verschiedenen Single-Player-Games haben. Hier muss einfach viel mehr her. Wenn man nach zwei Stunden Spielens alles kennt und auch schon nahezu alles mal gebaut hat, ist die Motivation schnell aufgebraucht.

Langzeitmotivation

Große Karten und Open World sind ja sehr schön und sollten auch erhalten bleiben. Wenn ich aber sehr schnell und auf einfachste Weise alles zusammensuchen kann, was ich zum dauerhaften Überleben benötige, was ist dann das Ziel dieses Spiels? Reines Überleben ist irgendwann auch ein wenig langweilig, oder? Wie wäre es mit der Möglichkeit, andere, etwa NPCs, zu retten und eine Gemeinschaft in Form einer Stadt zu gründen? Die NPCs könnten dann Nahrung anbauen, die mir regelmäßig zur Verfügung steht.

Jahreszeiten wären auch eine interessante Variable. Winter is coming! Die bevorstehende Kälteperiode zwänge zum Horten der Nahrung. Was ist mit der Suche nach einem Heilmittel gegen die Zombieseuche? Es sollte natürlich kein endgültiges Ziel sein, mit dem das Spiel beendet würde, aber ein Ziel, auf das man als Spieler hinarbeiten kann.

Early Access

Zu allen Kritikpunkten könnte man jetzt sagen: „OK, ist doch aber erst Early Access …“ Das stimmt natürlich. Aber ich bin der Überzeugung, dass Early Access oft nur als Alibi missbraucht wird: „Das ist noch ein Bug!“. Oder: „Das sind erst drei statt der geplanten 15 Optionen!“. Man sollte nicht vergessen, dass auch dafür die Spieler hartes Geld bezahlt haben und sie deshalb mehr als umgelabelte Einheitsware erwarten dürfen. Auch die Geschwindigkeit, mit der die Weiterentwicklung solcher Spiele vorangetrieben wird, lässt mitunter sehr zu wünschen übrig.

Es scheint genügend Gründe zu geben, warum sich keiner der Titel in diesem Genre bisher groß durchsetzen konnte. Kommentare Eurerseits sind gerne gesehen. Möge die Diskussion fruchten …