Seit mehreren Wochen steht Rocket League schon an der Spitze der Steam Charts. Zurecht. Die Mischung aus Hallenfußball und Rennspiel passt ausgezeichnet. Allerdings muss Psyonix an manchen Stellen noch kräftig nacharbeiten. Hier unser Double-Review.

Zwei Tastaturaffen von Steamgamer haben sich zusammen Rocket League reingezogen und getrennt voneinander ein Review geschrieben. Herausgekommen ist unser Double-Review, mit nahezu deckungsgleichem Ergebnis.

Rocket League – Marcels Meinung

Fliegende Autos, Rempeleien, schnelle Ballspiele und zeitweise totales Chaos … in Rocket League trifft Fußball auf Rennsport. Und diese Mischung passt gut. Sie passt sogar ausgezeichnet. Rocket League fesselt sogleich und sorgt für Nervenkitzel, Frust und Jubel, wenn ein Tore gelingen und misslingen.

Der Einstieg ins Spiel geht schnell: In einem kurzen Training werden die grundlegende Steuerung und das Spielprinzip erklärt. Danach können die feineren Spielmechaniken Torwart, Stürmer und Springen in wahlweise drei Schwierigkeitsgraden geübt werden. Nachdem die ersten einfachen Trainingseinheiten absolviert sind, geht es auch gleich ab ins Geschehen. Von 1 vs. 1 bis 4 vs. 4, allein oder mit Freunden gegen die KI, gegen menschliche Gegner oder in einer eigenen Saison – die Möglichkeiten sind vielgestaltig.

Tore fallen nicht selten aus purem Zufall heraus. Ganz ehrlich, sowas sieht man in der Bundesliga ebenfalls tagtäglich.
Tore fallen nicht selten aus purem Zufall heraus. Ganz ehrlich, sowas sieht man in der Bundesliga ebenfalls tagtäglich.

Nach den ersten Testspielen gegen eine leichte und eine mittlere KI wage ich mich dann an das Spiel gegen echte Gegner in der Variante „Klassisch 3 vs. 3“. Ein Spiel ist schnell gefunden und bis auf wenige Ausnahmen sorgt das Matchmaking auch für ein ausgeglichen Spiel mit ähnlichem Niveau und Erfahrung. Steigt ein Spieler aus oder finden sich für eine Partie nicht genügend Spieler, so springt die KI solange ein, bis ein passender Spieler gefunden ist. Die KI im Team zu haben ist dabei Fluch und Segen zugleich: In einem Moment spielt sie einem den perfekten Pass zu und verhilft damit zum Tor, im nächsten rammt Sie zum ungünstigsten Zeitpunkt und vermasselt einen guten Torschuss oder sorgt gar für ein Eigentor. So ärgerlich das ist, es sorgt doch wieder für ein ausgeglichenes Spiel. Die KI ist eben genauso unberechenbar, wie meine Mitspieler … oder besser wie ich für meine Mitspieler.

Zurück zum Spiel: Der Countdown läuft und das Spiel beginnt. Sofort rase ich auf den Anstoßpunkt zu und bin überrascht, wie schnell die Gegner da sind und den Ball in unsere Hälfte katapultieren. Ich jage dem Ball nach, fahre Teammates und Gegner gleichermaßen über den Haufen, springe, drehe mich in der Luft und bekommen den Ball doch nie so zu fassen, wie ich es geplant habe. Nach kurzer Zeit fällt dann das erste Tor für mein Team. Auch wenn das Tor durch meine Vorlage möglich wurde; geplant war es nicht. Ehrlich gesagt war es nur mein misslunger Torschuss, der meinem Teammate dann genau vor den Kühlergrill gehüpft ist. Egal, ich freue mich über das erste Tor.

Vollgas geben, boosten und dann voll auf den Ball halten. Mit Anfängern spielt sich Rocket League wie Fußball im Schulsportunterricht.
Vollgas geben, boosten und dann voll auf den Ball halten. Mit Anfängern spielt sich Rocket League wie Fußball im Schulsportunterricht.

Doch so schnell der erste Jubel kam, so schnell kam die Ernüchterung. Der Ausgleich erfolgt sofort, koordiniert und unaufhaltsam. Wir setzten nach und schießen immer wieder auf das Tor. Der Gegner fängt den Ball und kontert. Schnell wird klar: Einfach nur draufhalten und dem Ball nachjagen, führt zu nichts. Immer öfter lasse ich mich nun zurückfallen und beobachte die Position der Mitspieler und den Verlauf vom Ball. Bleibt einer im Team hinten, gehe ich nach vorn. Je öfter ich spiele, desto mehr bekomme ich ein Gefühl dafür, wann ich springen oder den Turbo zünden muss und wie ich den Ball besser in die gewünschte Richtung zu meinem Team lenke. Und tatsächlich, das Zusammenspiel wird kontrollierter und koordinierter.

Verloren habe ich die ersten Partien dennoch, erst chancenlos und dann immer knapper. Den Teamkollegen nicht in den Weg zu fahren oder den Ball abzunehmen ist eben nicht immer leicht. Es verführt doch zu sehr, das Tor mal eben allein zumachen, als den Ball abzugeben und eine Vorlage zu spielen. Übrigens: Den Ball aus dem eigenem Tor zu bekommen und dabei kein Eigentor zu machen, ist auch nicht einfach.

Nicht nur auf dem Boden, auch an Wänden und der Decke können die Boliden fahren. Das erlaubt interessante Ansturmvektoren.
Nicht nur auf dem Boden, auch an Wänden und der Decke können die Boliden fahren. Das erlaubt interessante Ansturmvektoren.

Rocket League fesselt, denn man merkt schnell, das Erfahrung eine wichtige Rolle spielt. Waren es zu Beginn mehr Zufallstreffer, so gelingen mittlerweile gezielte Kombinationen, Vorlagen und Tore. Für das Spielen werde ich aber nicht nur mit Erfahrung belohnt. Während des Spiels werden weitere Fahrzeuge sowie Zubehör wie Antennen, Räder, Bemalung, Raketen-Boost-Effekte und Hüte für die Autos freigeschaltet. Einen Vorteil bieten die neuen Fahrzeuge und das Zubehör zwar nicht, aber es sorgt dafür, dass man sein Auto individuell gestalten kann. Und jedes neue Item will sofort ausprobiert werden.

Fazit: Rocket League macht vieles richtig: Das Matchmaking klappt, die Partien sind kurz aber fesselnd und der Anreiz durch Achievements und freischaltbare Items stimmt. Ein weiteres Plus: Bisher habe ich in keiner Partie geflame im Chat gelesen. Auch wenn ein Eigentor gefallen, ein sicherer Schuss vermasselt oder der Ball einfach verfehlt wurde, es wird nicht gemeckert. Es wird eher versucht, den Rückstand wieder aufzuholen und das Spiel zu drehen. Und oft genug konnten wir uns vom Rückstand in die Verlängerung retten, um das Spiel dann schlussendlich sogar noch zu gewinnen. Und falls nicht, die nächste Partie wartet bereits.

Rocket League – Marks Review

Ich hatte mich ein wenig fallen lassen, lauerte nun im Hintergrund auf eine Gelegenheit, die sich auch prompt eröffnete. Eine kongeniale Hereingabe von meinem Mitspieler in den Torraum. Perfekter hätte sie eigentlich kaum ausfallen können, auch wenn die Vorlage eher den Eindruck von Zufälligkeit denn Absicht erweckt. Scheiß drauf. Schön gewinnt keine Spiele. Tore gewinnen Spiele.

Ich gebe Fersengeld und rausche wie ein Usain Bolt in Bestform auf des Gegners Bude zu. Ich kreuze den Bewegungsvektor des Balls perfekt und springe ab. Der Ball tupft kurz auf, löst sich sofort wieder vom Boden. Ich verlagere mich in der Luft mit dem linken Stick leicht nach vorne, gerade soweit, dass ich den Ball noch mit meinem Hinterteil berühre.

Abspringen, nach vorne neigen und dann quasi Vollspann aber mit Gefühl den Ball ins Tor ziehen.
Abspringen, nach vorne neigen und dann quasi Vollspann aber mit Gefühl den Ball ins Tor ziehen.

Erwischt! Ich kann dem Ball genau den gewünschten Impuls verleihen, ihn in die von mir gewählte Richtung zwingen und sanft über die Gegner und die Torlinie hinwegchippen. So kurz vor Schluss bedeutet dieser Treffer das rettende Unentschieden und leitet das Match in die Golden-Goal-Verlängerung über. Dachte ich zumindest. Denn obwohl das riesige Rund die Gegner in flachem Winkel überfliegt, sich zwischen Tor und Ball nur noch gähnende Leere befindet und dat Ding eigentlich sauber in den Kasten krachen würde, kommt einer meiner kongenialen Mitspieler herbeigeeilt und holzt den Spielkörper seitlich am Tor vorbei. Aus. Ende. Vorbei. Verloren.

„Scheiß dämliche KI“, entfährt es mir, und mein Gamepad segelt mit andrenalinschwangerer Wut quer über den Tisch. Eigentore kann die KI hervorragend produzieren. Eigene Tore kann sie hervorragend verhindern und ansonsten nervt sie nur. Aber so bekloppt die Bots auch immer wieder agieren mögen, der Spaßfaktor von Rocket League ist größer. So verfliegt meine Wut alsgleich und ich setze zum nächsten Match an. Dieses Mal nicht im Saison-Modus, sondern online, gegen und zusammen mit menschlichen Mitspielern. Die nehmen einem einen Treffer nämlich nur dann weg, wenn sie ihn zu einem eigenen Tor ummünzen können. Fifa, pack‘ ein, ich spiele ab jetzt Rocket League!