Das Game-of-Thrones-Universum von George R.R. Martin hat auf Anhieb Tausende Fans gewinnen können. Telltale Games hat sich an eine Adventure-Umsetzung gewagt und scheint damit genau den richtigen Ton zu treffen.

Bisher gab es schon eine Handvoll Spiele, die in George R.R. Martins Game-of-Thrones-Universum spielten, aber noch keines aus dem für seine hervorragenden Adventures bekannten Spiele-Studio Telltale Games. Seit einigen Wochen gibt es bei Steam endlich die erste Episode aus einer wie gewohnt mehrteiligen Serie des Spiels Game of Thrones – A Telltale Game Series.

Viel will ich euch nicht über die Story des Spiels erzählen. Das müsst ihr euch schon selbst erspielen. Nur so viel: Das Adventure startet zu einem sehr kritischen Zeitpunkt in der Game-of-Thrones-Saga – während der Roten Hochzeit, die für Robb, den König aus dem Norden, bekanntermaßen nicht ganz optimal verlaufen ist – um es mal vorsichtig auszudrücken.

Die Story dreht sich um das Haus Forrester, das in den Büchern und der TV-Serie nicht vorkommt und extra für das Spiel erfunden wurde. Die trotzdem immer wieder auftauchenden bekannten Figuren wie Tyrion und seine liebe Schwester Cersei basieren auf den Büchern, sind aber stark an die TV-Serie angelehnt. Ihr werdet hier also wahrscheinlich guten alten Bekannten wiederbegegnen. Wer das Spiel auf Englisch eingestellt hat und das vielleicht auch schon bei der TV-Serie getan hat, wird sich freuen, dass die Figuren nicht nur so aussehen wie die originalen Schauspieler, sondern auch von ihnen gesprochen werden. Das ist sehr beeindruckend.

Spielmechanismen

Wie man es von anderen Telltale-Adventures – etwa der Walking-Dead-Serie – her gewohnt ist, hat der Spieler meist verschiedene Möglichkeiten, den Ablauf der Handlung zu beeinflussen. In der Regel bietet euch das Spiel mehrere Dialog-Optionen an, während ein Timer abläuft. So entsteht ein sanfter, aber überzeugender Druck. Man bekommt das Gefühl, dass man sich schnell entscheiden muss, sonst geht irgendetwas schief. Häufig kommen auch Quick-Time-Events vor, bei denen ihr Schwertschlägen ausweichen oder vor einer anderen Gefahr in Deckung gehen müsst.

Story

Als langjähriger Fan der Serie, der die Bücher schon zwei Mal verschlungen hat (aber die Serie nur zum Teil gesehen hat), muss ich sagen, dass ich beeindruckt bin. Spätestens, wenn die Erzählung nach King’s Landing (Königsmund) wechselt, entsteht gehörig Spannung, wie man es von George R.R. Martin auch erwarten würde. Wie es sich gehört, wird nach Herzenslust intrigiert, gemordet und hintergangen. Nur diesmal seid ihr selbst mittendrin und könnt euch entscheiden, ob ihr euch lieber ehrenvoll verhaltet und den Tod riskiert oder vorsichtiger agiert und – wie es bei Game of Thrones sein muss – ebenfalls den Tod riskiert.

Nach einem verhaltenen Start wird die Story schnell immer dichter und blutrünstiger. Wer die Bücher und/oder die TV-Serie kennt, weiß auch, dass das alles kein gutes Ende nehmen kann … aber das ist auch gut so, wer will schon immer Happy Ends?

Technik

Die Hardware-Anforderungen sind nicht besonders hoch. Auch mein vergleichsweise alter PC spielt das Adventure ruckelfrei ab. Etwas eigenartig ist der Start des Spiels. Es läuft anfangs nur in einem kleinen Fenster, das man nicht vergrößern kann. Einen Zugriff auf die Optionen (Auflösung, Vollbild, etc.), bekommt man erst, wenn man mit der Story begonnen hat. Ist nicht schlimm, verwirrt aber.

Mit der Steuerung hatte ich gelegentlich Probleme. Immer wieder muss man zum Beispiel nach links oder rechts ausweichen. Das erledigt man normalerweise mit der Maus. Dann muss man etwa einen Schild hochreißen. Das ging bei mir komischerweise nur mit der Pfeil-nach-oben-Taste. Dann heißt es wieder, die Q- oder E-Taste schnell zu drücken. Es kann also passieren, dass ihr in einem hektischen Kampf zwischen [WASD], den Pfeiltasten und eurer Maus hin- und herspringen müsst. Ist lästig, aber beherrschbar.

Fazit

Telltale ist mit Game of Thrones wieder ein echter Hit gelungen. Wer das Spielsystem mag und die düstere Fantasy-Welt von George R.R. Martin liebt, der kann bedenkenlos zugreifen. Es lohnt sich.

Was allerdings stört, ist, dass man bei Telltale dem Spieler gerne mehr Entscheidungsfreiheit vorgaukelt, als er wirklich hat. Viele der Entscheidungen, die man zu treffen hat, haben nicht wirklich großen Einfluss auf die Story. Aber das soll man natürlich nicht merken. Im Grunde klickt man sich durch eine Story, die man nur begrenzt beeinflussen kann.

Ausblick

Das Episoden-System der Telltale-Spiele ist ja nicht jedermanns Sache. Wer früh einsteigt, wenn noch nicht alle Episoden erschienen sind, der muss warten, warten und wieder warten, bis er das Spiel endlich in voller Länge genießen kann. Bislang ist nur die erste von sechs Episoden erschienen. Immerhin ist seit kurzem bekannt, dass die zweite Episode am 3. Februar 2015 veröffentlicht werden soll. Es gibt sogar schon ein Preview-Video, das Schnipsel aus der ersten Episode zeigt, aber auch Appetit auf das Kommende macht.

Game of Thrones – A Telltale Game Series gibt es bei Steam. Das Spiel kostet 27,99 Euro und läuft sowohl unter Windows als auch Mac OS X. Alternativ zur Steuerung per Maus und Tastatur könnt Ihr auch auf einen Controller zurückgreifen.