Unendliche Weiten, klirrende Kälte, garstige Wölfe und Bären: So präsentiert sich The Long Dark und bedient damit erneut das Genre der Survival-Games. In einem Punkt unterscheidet es sich dann doch erheblich.

In jedem Survival-Game muss man sich gegen Zombies, Dinosaurier oder „Mitspieler“ behaupten? Falsch. Bei „The Long Dark“ bist Du allein. Vollkommen allein! Abgesehen von ein paar hungrigen Wölfen und Bären, die einem, je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad, mal mehr und mal weniger an die Wäsche wollen.

Bevor man sich jedoch mit diesem Problem auseinandersetzen kann, muss man erstmal die Kälte überstehen und genug Nahrung finden. Denn man ist nach einem Flugzeugabsturz, dem ein unerklärlicher Sturm voranging, in einem verlassenen Wald gelandet. Man macht sich also auf den Weg, um etwas zu finden: Häuser, Leute, Nahrung, Schilder … hauptsache etwas spannenderes als Schnee und Bäume.

Es dauert auch gar nicht lang, da entdeckt man die ersten Häuser. Darin: ein wenig Nahrung, ein paar Klamotten und eine Leiche. Das selbe Bild bei den nächsten Häusern. Es scheinen alle auf mysteriöse Weise gestorben zu sein. Durch die Kälte? Es ist immerhin eine verlassene Gegend. Aber alle? Seltsamer Zufall.

Wir ziehen also weiter und weiter. Der Wald in dem wir uns befinden scheint unendlich groß und man entdeckt immer wieder neue Landmarken. Ein zugeschütteter Zugtunnel, ein großer Staudamm im Gebirge. Man läuft immer weiter und weiter und verliert die Orientierung. Das Einzige was bleibt ist eine neue Unterkunft zu finden; um draußen nicht zu erfrieren.

Vor allem die Kälte stellt sich als schwieriger heraus als die Dunkelheit, so daß ich das Spiel eher „The Long Cold“ genannt hätte, aber vermutlich ändert sich dieser Umstand zu einem späteren Zeitpunkt des Spiels. Wenn man nämlich genug qualitative Kleidung zusammen hat und sich immer wieder ein Feuer errichten kann, dann lässt sich vieles regeln.

Unter anderem kann man auf dem Feuer auch Schnee schmelzen, um an Trinkwasser zu kommen. Findet man sogar eine Werkbank, dann ergeben sich noch mehr Crafting-Möglichkeiten. So lässt sich Angelzeug zusammenbasteln oder Kleidung aus Tierleder herstellen, was Nahrung und Kleidung bedeutet. Die Lederherstellung ist allerdings etwas langwieriger, da das Leder erst fünf Tage trocknen muss. Und diese fünf Tage muss man erstmal überleben.

Alles in allem fesselt einen der Drang „einfach nur zu überleben“ dann doch eine ganze Weile. Gepaart mit dem Entdecker in mir, der die extrem große, unendlich wirkende Welt sehen will, fällt es schwer, das Spiel auszuschalten. Das Startmenü verrät, dass später noch ein Story-Modus hinzukommen soll, in welchem man vermutlich mehr über den unerklärlichen Sturm und die vielen Toten erfahren wird. Wünschenswert wäre meiner Meinung nach noch ein Koop-Modus. Es würde zwar gegen den „Ich bin so allein“-Effekt wirken, aber eine Aufgabenteilung beim Überlebenskampf oder ein gegenseitiges Helfen im Kampf gegen Wildtiere oder das Erfrieren wäre in meinen Augen ein Gewinn für das Spiel.

Fazit: Geheim-Tipp für Survival-Fans mit schön anzusehender Grafik, die sich ein wenig im Comic-Stil präsentiert. Wer auf Zombies, Monster und PvP verzichten kann und dafür später dann einen hoffentlich packenden Story-Modus bekommen will, dem kann man „The Long Dark“ nur ans Herz legen.